Geschichte des Tabakkonsums

Der Tabak: Eine spezielle Substanz.

Tabak ist das einzige Konsumgut, das bei normaler Anwendung der Gesundheit schadet und sogar zum Tod führen kann. Sonderstatus: Kann überall frei gekauft & in aller Öffentlichkeit konsumiert werden. Wer eine Packung Zigaretten pro Tag raucht, führt sich täglich 200 Dosen Nikotin zu, das sind 73.000 pro Jahr.

Die Anfänge des Tabakkonsums

Das Rauchen von Substanzen faszinierte die Menschen schon lange vor dem Tabak. Das Inhalieren von Rauch (Hanf, Bilsenkraut, Lattich etc.) gehörte zu heiligen Ritualen.

Ende des 15. Jahrhunderts: Die Neue Welt und die Entdeckung des Tabaks

Seefahrer entdecken Tabak bei der Urbevölkerung Amerikas ( Kanada, Mexiko etc.). Der Tabak wird von den Ureinwohnern geraucht, gekaut oder als Tee getrunken. Die Seefahrer bringen den Tabak nach Europa, wo er als Allheilmittel angesehen wird (gegen Übelkeit, Geschwüre, Rheumatismus, zur Wundbehandlung etc.).

Mitte des 16. Jahrhunderts: Verbreitung des Tabaks in Europa

Jean Nicot, französischer Botschafter in Portugal, schickt der Königin Katharina von Medici Tabaksamen als Mittel gegen ihre Migräne. Der Tabakkonsum verbreitet sich am Hof, in aristokratischen und in bürgerlichen Kreisen, zuerst in Europa, dann auch in Asien und Afrika.

17. Jahrhundert: Weltweite Ausbreitung des Tabaks und der Kontroverse darum

Der Tabak wird immer beliebter. Einige Länder versuchen, den Konsum einzuschränken, indem sie Verkäufer und Konsumierende bestrafen, z.B. in Russland mit Stockschlägen, in der Türkei mit Abschneiden der Nase und er Lippen. Der Papst droht denjenigen, die in der Kirche Tabak auf sich tragen, mit der Exkommunizierung. 
Trotz der Versuche, seine Verbreitung zu unterbinden, setzt sich der Tabak überall durch. So nehmen in einigen Orte z.B. gar Kinder eine mit Tabak gefüllte Pfeife mit auf den Schulweg.

Einführung des Tabaks in Österreich

Als »Soldatenkraut« verbreitet sich der Tabak v.a. während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) im deutschsprachigen Raum. In ländlichen Gegenden war vor allem das Pfeiferauchen verbreitet. Nicht nur Männer, auch Frauen und Kinder konsumieren Tabak. In manchen Regionen Österreichs wird im 17. Jahrhundert so viel für Tabak ausgegeben wie für das begehrte und damals sehr teure Salz.

18./19. Jahrhundert: Das österreichische Tabakmonopol

Mit der Gründung der staatlichen "Österreichischen Tabakregie" im Jahre 1784 entsteht das bis vor wenigen Jahren existierende Tabakmonopol. 1850 werden die zuvor noch ausgenommenen Tabakanbau-Gebiete in Ungarn ebenfalls in das Monopol der Tabakregie einbezogen, was zu einer Gründungswelle an Tabakfabriken führt: In jenem Jahr werden beispielsweise auch die großen Tabakfabriken in Linz an der Donau (Oberösterreich) und in Stein an der Donau (Niederösterreich) gegründet.
Seitdem kommt der größte Teil der österreichischen Tabake im 19. Jahrhundert aus Ungarn: In den 1860er Jahren beläuft sich die Gesamt-Tabakernte der Habsburgermonarchie durchschnittlich auf etwa 40.000 Tonnen pro Jahr, drei Viertel davon aus den Ländern der ungarischen Krone. Zu jener Zeit steigt Tabak zum wichtigsten kolonialen Rohstoff auf.
Der Tabakkonsum des späten 17. Jahrhunderts und beginnenden 18. Jahrhunderts lässt sich nur schwer beziffern. Exaktere Daten stehen ab der Einführung des Tabakmonopols (1784) zur Verfügung. Im gesamten Monopolgebiet der Monarchie wurde pro Kopf im Jahr etwa 0,5 kg Tabak geraucht, gekaut und geschnupft. Der Verbrauch im heutigen Österreich stieg von 1,1kg im Jahre 1837 auf 1,9 kg im Jahre 1900. Im Vergleich dazu
lag der Verbrauch pro Kopf im Jahre 1983 bei 2,2 kg.

Geschichte einer Kontroverse

Ab 1950 belegen epidemiologische Studien die Schädlichkeit des Tabakrauchs. Die Industrie versucht in der Folge, den Teergehalt der Zigaretten zu reduzieren und vermarktet verstärkt die 1930 erfundene Filterzigarette.

Ab 1952 weiß die Tabakindustrie, dass der Zigarettenrauch Krebs erzeugt. Trotzdem bestreitet sie bis in die 1990er-Jahre jeden kausalen Zusammenhang.
Ab 1964 führen die Regierungen verschiedener Länder Maßnahmen ein, mit denen der Zigarettenkonsum eingeschränkt werden soll.

1996 veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen ersten Weltbericht über die Epidemie des Rauchens. Der Tabakindustrie wird der Kampf angesagt.

Basierend auf dem Handbuch zur Tabakprävention "Mit Feuer gegen Rauch" der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme SFA mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers. Adaptiert durch das Institut Suchtprävention, Linz.

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