Weder Fisch noch Fleisch
Das Jahr 2009 ist noch ziemlich jung und manch ein Raucher wird sich wohl vorgenommen haben, seinem Laster endgültig abzuschwören. Das neue Tabakgesetz, das seit 1. Jänner in Kraft ist und einige Neuregelungen zum Nichtraucherschutz enthält, könnte da eigentlich ein guter Anlass sein. Ein Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" zeigt allerdings, dass sich bis dato in den heimischen Gaststätten noch nicht allzu viel geändert hat.
Am Nachmittag wird im Café Ritter auf der Wiener Mariahilfer Straße gequalmt, was das Zeug hält. Die roten und grünen Pickerl, die von Gastronomiebetrieben angebracht werden müssen, um Raucher-, respektive Nichtraucherzonen zu kennzeichnen, sucht man hier vergeblich.
Wer im Ritter nicht rauchen will, muss durch das ganze Lokal nach hinten gehen, um in einer verwaisten Ecke vier Tische vorzufinden. Auf einem steht ein großes Schild mit durchgestrichener Zigarette. An den Tischen, die räumlich in keiner Weise abgetrennt sind, sitzt niemand. Ein hektischer Kellner, der gerade ein Tablett mit Kaffeehäferln balanciert, meint lapidar: "Bei uns hat sich noch keiner beschwert."
Der 64-jährige Rudolf sitzt im Ritter an einem Fenster mit einer Zeitung und einer Havanna in der Hand. "Ich finde diese Rauchergesetze lächerlich. Als ob es nicht größere Probleme gäbe, wie in Palästina oder den Klimawandel", sagt der Pensionist kopfschüttelnd. "Die Politiker brauchen halt was, mit dem sie sich kurzfristig profilieren können und stürzen sich auf die Raucher." Der passionierte Zigarrenraucher würde das Lokal übrigens künftig boykottieren, sollte das Rauchen endgültig verboten werden.
"Regelung ist sinnlos"
Grundsätzlich gilt seit 1. Jänner, dass Gastronomiebetriebe, die kleiner als 50 Quadratmeter sind, selbst festlegen können, ob sie Raucher- oder Nichtraucherlokale sind. Größere Gaststätten mit der Möglichkeit einer räumlichen Trennung sind dazu verpflichtet, den größeren Bereich den Nichtrauchern zur Verfügung zu stellen. Lokale über 50 Quadratmeter, die nur über einen Gastraum verfügen und umbauen müssen, bekommen eine Nachfrist bis Mitte 2010. Übertretungen werden mit Strafen bis zu 2000 Euro für Lokalbetreiber und bis zu 100 Euro für rauchende Gäste geahndet.
In Graz sind bereits am ersten Tag nach Inkrafttreten des Tabakgesetzes vier Beschwerden wegen Missachtung bei den Behörden eingegangen. Gaststätten, die sich nicht an die Bestimmungen halten, können auch von Gästen bei Bezirksämtern und Magistraten gemeldet werden.
Eine Aida-Filiale in Neubau hat sich auch am 2. Jänner noch nicht wirklich dem Nichtraucherschutz verschrieben. Weder gibt es Plaketten an der Tür, noch eine räumliche Trennung. Im Gastraum sind lediglich einige Tische mit durchgestrichenen Zigaretten gekennzeichnet.
Hier trinkt gerade die 36-jährige Sylvia ihre Melange. Sylvia bezeichnet sich selbst als Gelegenheitsraucherin: "Ich finde es gut, wenn es mehr Nichtraucherzonen gäbe, dann würde ich selber auch weniger rauchen." Regelungen wie in der Aida-Filiale seien sinnlos: "Da kann man das Rauchen gleich erlauben", meint die Sachbearbeiterin.
"Halbgare Lösung"
Im Coffee Day gegenüber der Universität Wien hat sich auch noch nicht viel geändert. Seit das Kaffeehaus offen hat, ist unten der Raucherbereich, im ersten Stock herrscht Rauchverbot. Die 25-jährige Studentin Lisa trinkt hier einen Café Latte mit ihrer Freundin Jasmin. Sie ist überzeugte Nichtraucherin: "Ich seh nicht ein, warum ich immer nach Tschik stinken muss, wenn ich einmal fortgehen will." Mit der kleinen Nichtraucherzone im Coffee Day ist sie gar nicht zufrieden. "Hier ist es weniger gemütlich als unten, und ich sitz auch nicht gern genau beim Klo", sagt Lisa.
Jasmin wiederum raucht manchmal ganz gern eine, aber: "Ich bin ein großer Irland-Fan, und dort funktioniert das Nichtrauchen wunderbar. In Österreich gibt es halt wieder so eine halbgare Lösung, die weder Fisch noch Fleisch ist."
Quelle: www.wienerzeitung.at